Das Leben der Familie Pudel in Gross Schwansfeld - Teil II
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(heute : Labednik in Polen)
- Nach den Aufzeichnungen meines Urgroßvaters Ferdinand Pudel -

Die ursprüngliche Heimat der Familie Pudel ist wahrscheinlich in Westdeutschland zu suchen. Zwar hat ein Teil der Familie seit etwa 1700 ihren Sitz in Ostpreußen, es leben jedoch im Westen, besonders in der Pfalz und Baden, Träger dieses Namens, die ihre Abstammung nicht von der ostpreußischen Linie ableiten. Dieser westdeutsche Teil der Familie dürfte also noch viel älter sein, und auch der ostpreußische Zweig dürfte aus Würtemberg herstammen.

Pfarrer Schmidt aus Groß Schwansfeld, der sich mit der Erforschung der Ostpreußischen Linie große Verdienste Erworben hat, schrieb ca. 1937 über Hans Pudel - den Stammvater der ostpreußischen Familie – folgendes:

"Hans Pudel ist nach der Geburt seiner Tochter Maria (geb. um 1723) hierher gezogen. Er hat viele Kinder gehabt. Hier sind von 1734 – 1747 Kindsgeburten verzeichnet. Er ist der erste dieses Namens hier und von ihm stammen alle anderen Pudels hier ab. Falls Maria seine erste Tochter gewesen ist, dürfte er etwa 1722 geheiratet haben und vor 1700 geboren sein. Seine Verheiratung mit Anna (den Vornamen kennen wir nur von den ersten Kindsgeburten her) ist hier nicht beurkundet. Sie ist nach dem Tode ihres Mannes nach Passlack gezogen, wo schon große Kinder von ihr wohnten."

Hans Pudel ist also plötzlich in der Zeit zwischen 1723 und 1734 in Groß Schwansfeld aufgetaucht ist und war damals schon verheiratet, da ja sonst seine Verheiratung in Groß Schwansfeld beurkundet wäre. König Friedrich Wilhelm I von Preußen (1713 – 1740) warb in dieser Zeit für die Besiedelung von Ostpreußen neben Salzburgern auch Pfälzer, Nassauer, Schweizer an. Es liegt daher die Vermutung nahe, das damals auch Hans Pudel aus Westdeutschland nach Ostpreußen übersiedelte und als Gärtner von den Gutsherren in Groß Schwansfeld angestellt wurde.

Als Berufsangaben für die Familie Pudel und die angeheirateten Familien finden wir in den Urkunden vorwiegend folgende Bezeichnungen: Gärtner, Wirt, Landwirt, Bauer, Schneider, Instmann, Mietsmann und Einlieger. Die Angehörigen dieser Familien waren in den ersten Generationen vorwiegend Freibauern und kleine Handwerker und nur teilweise zur Grafschaft Groß Schwansfeld gehörende erbuntertänige Bauern.

Als durch die Stein´sche Staatsreform 1807 die Erbuntertänigkeit aufgehoben wurde, zählte Groß Schwansfeld - wie mir mein Vater [Ludwig Pudel, 1836 - 1917] oft erzählt hat - ca. 30 Bauernwirtschaften. Ihre Zahl war jedoch um die Mitte des vorigen (19.) Jahrhunderts auf 2 zusammengeschrumpft, da der Graf die Kunst des „Bauernlegens“ durch Aufkauf ihrer Grundstücke meisterhaft verstand und rücksichtslos ausübte. Es ist daher verständlich, wenn wir in den Sterbeurkunden der in den ersten beiden Vierteln des 19. Jahrd. verstorbenen Ahnen meistens die Berufsbezeichnungen „Instmann, Mietsmann (und) Einlieger finden, die Bauern waren eben ihre Grundstücke losgeworden und wiederum in Abhängigkeit geraten, oder haben das Land verlassen. Es setzte in der Mitte des vorigen Jahrhunderts eine starke Abwanderung aus Groß Schwansfeld ein.

Vor dem Ausbruch des (I) Weltkrieges war es dem Grafen gelungen, auch noch einen der letzten Bauern, einen Nachkommen unseres Vorfahren Johann Kiehl, aufzukaufen und seinen Fortzug aus Groß Schwansfeld zu veranlassen. "Noch steht das Kiehl´sche Bauernhaus“ schreibt Pfarrer Schmidt in seinen Bemerkungen.

Wie stark die bereits erwähnte Abwanderung aus Groß Schwansfeld in der Mitte des  19. Jahrhunderts war, dafür nur ein Beispiel aus unserer Familie. Mein Großvater Friedrich Pudel, gestorben 1870, hatte 6 Söhne. Von ihnen wanderte einer nach Russland (Wolgagebiet) aus, zwei gingen ins rheinisch – westfälische Industriegebiet (Essen und Gelsenkirchen), mein Vater Ludwig siedelte nach Neu Rosenthal im Kreis Rastenburg über, und der jüngste - Leopold - ließ sich nach Reisen nach England und Amerika selbständig in Mannheim nieder und gründet dort ein Herren – Garderobengeschäft. Nur einer von den 6 Kindern ist also in der Schwansfelder Gegend geblieben.
 
 
 

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Erstellt am : 01.02.2002
Last Update : 01.02.2002